Deep Democracy

"Aus dem Zorn entsteht der Streit, aus dem Streit das Gespräch, aus dem Gespräch die Tat.“

- Tupac Shakur -

Kontext 

Deep Democracy wurde von Arnold Mindell und Mitarbeiter*innen in den 80er Jahren in Zürich entwickelt. Der Ansatz, der auch unter dem Begriff «Prozessarbeit» bekannt ist, beschreibt soziale Wandlungsprozesse auf individueller und kollektiver Ebene und leitet daraus Interventionsformen ab. Das Konzept ist beeinflusst durch Aspekte aus Psychologie, Physik, System­theorie, Kommunikationstheorie und Konstruktivismus. Es entstammt dem therapeutischen Bereich, findet heute aber ebenso Anwendung in der Organisationsberatung, im Change Management, in der Organisationsentwicklung, der Großgrup­penmoderation, Konfliktbearbeitung und im Business Coa­ching. 


Darstellung der Methode

Deep Democracy ist ein Konzept, das auf der An­nahme basiert, dass eine wichtige Information oder Weis­heit in divergierenden Positionen liegt, und dass es darum geht, die jeweiligen Positionen klarer zum Ausdruck und in Austausch zu bringen. 

Deep Democracy bedeutet aber noch mehr als der Ausdruck von unterschiedlichen Positionen. «Deep», also «tief» bezieht sich auf die Tiefenstruktur von Interaktionsprozessen, bei de­nen inhaltliche Aspekte auch von Emotionen, Stimmungen, Gefühlslagen überlagert werden und manchmal sogar eine zen­trale Rolle spielen können in Entscheidungs-­ oder Verhand­lungsprozessen. Sie sollen auch dann zum Ausdruck gebracht und gehört werden kön­nen, wenn sie politisch inkorrekt oder nicht der Mainstream­-Meinung entsprechen. Alle sind als gleichwertig zu betrachten (obwohl dies allgemeinen gesellschaftlichen Normen und Perspektiven zuwider laufen kann).

Ein weiteres Merkmal des Deep Democracy­-Ansatzes be­steht darin, dass man auf die Interaktion zwischen den an­wesenden Personen fokussiert und gleichzeitig davon aus­geht, dass diese nicht nur als Personen im Austausch stehen, sondern grundsätzliche Positionen und «Tendenzen» sind, die auch unabhängig von Individuen existieren. Diese Betrachtungs­weise macht explizit, dass wir als Personen verschiedene Ten­denzen oder Positionen einnehmen können, obwohl wir in hochemotionalen Situationen den Eindruck haben, dass es nur eine richtige Position gibt. 


Wann kommt Deep Democracy zum Einsatz?

Der Ansatz ist geeignet für Situationen, in denen emotionale Komponenten die Sachfragen in den Hinter­grund drängen, in blockierten Situationen, bei denen gewisse Meinungen vernachlässigt, ausgegrenzt und nur im Privaten zum Ausdruck gebracht werden konnten, weil die Machtver­hältnisse nichts anderes zulassen oder in Situationen, bei de­nen die Leute in ihren Rollen und Meinungen verharren und sich Meinungen unversöhnlich gegenüberstehen. 

Deep De­mocracy lädt sozusagen zum Dissens, zum Konflikt ein, dies im Gegensatz zu einer gemeinhin üblichen Haltung der Kon­fliktvermeidung. Es ist dabei zu beachten, dass es nicht darum geht, Konflikte zu evozieren, sondern vielmehr präsent zu blei­ben, wenn sie auftreten, und die Gruppe daran zu erinnern, dass solche «Hot Spots» zur Weiterentwicklung der Gruppe ge­hören und «normal» sind. Aus einem Deep Democracy­-Anlass resultiert im bes­ten Falle «eine lebendige Offenheit und Transparenz und eine machvolle Stärkung der Beziehung und Zusammenarbeit». Im Nachhinein fühlt es sich trotz zwischenzeitlicher polarisieren­der Diskussionen nach einem tiefen, empathischen Dialog an.


Quelle:

Caspar Fröhlich, Unternehmensberater, Executive Coach und Redakteur der OrganisationsEntwicklung


Gruppen / Teams und Paare

Lewis Deep Democracy kann sowohl in Gruppenprozessen, als auch in Zweier-Konstellationen eingesetzt werden.